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„Nein!“ – Und dann?

Kluge Kommunikation mit deiner Katze.

Wenn Menschen mit Katzen leben, ergeben sich häufiger Situationen, in denen die Bedürfnisse von Mensch und Katze kollidieren. Das gefühlte Erleben auf Seiten des Menschen von „Das mag ich nicht!“ oder „Das will ich jetzt nicht!“ drückt sich dann oftmals in einem spontan gerufenem „Nein“ aus. Das ist ja in diesem Moment auch erst einmal folgerichtig und sinnvoll, verbirgt sich darin doch die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und ausdrücken zu können.

Ein „Nein“ ist im Umgang mit Lebewesen, die unsere Sprache nicht sprechen, typischerweise dann wirksam, wenn es ein gewisses Erschrecken auslöst – denn sie verstehen den Wortsinn nicht. Diesen Schreck-Effekt kennen wir auch von uns selbst: Stell dir vor, du bist bei Bekannten zu Besuch und möchtest das Gäste-WC benutzen. Gerade willst du die Tür öffnen, da erschallt von hinten ein lautes „Nein! Stopp!“ Wie fällt deine Reaktion aus? Lässt du sofort die Türklinke los? Ziehst die Hände dichter an den Körper? Erstarrst du für einige Augenblicke in dieser Haltung? Fühlst du dich wohl und sicher?

Die noch spannendere Frage ist allerdings, welche Informationen du daraus gewinnst. Stell dir jetzt kurz vor, deine Bekannten sprechen plötzlich nur noch Klingonisch. Was weißt du dann sicher? Du musst immer noch dringend auf Toilette, aber an diese Tür traust du dich vermutlich nicht mehr ran, oder? Und nun?

Das ist so ein Dilemma mit einem „Nein!“. Es kann ein Verhalten abwenden bzw. stoppen. Aber es bleibt unklar, was denn erlaubt und erwünscht ist. Und das gilt für Katzen ebenso wie für uns Menschen, mit dem Unterschied, dass wir aus Sicht der Katzen quasi immer Klingonisch sprechen …

Dieses Wissen eröffnet uns aber ein weites Feld, unsere Kommunikation mit unseren Katzen zu verbessern und uns bewusst zu bemühen, ihnen „legale“ Alternativen anzubieten zu dem, was für uns unerwünscht ist. Im Trainingsjargon spricht man dann von einem Alternativverhalten.

Hier einige praktische Alltagsbeispiele:

Deine Katze kann lernen,

  • sich auf einen erhöhten Platz neben dem Tisch zu setzen, statt direkt auf den Tisch.
  • dir durch das Putzen ihres Vorderbeins mitzuteilen, dass du jetzt mit dem Streicheln aufhören darfst – anstatt nach deiner Hand zu schnappen.
  • dich durch Anstupsen auf ein Bedürfnis aufmerksam zu machen statt durch lautes Krakeelen.

Deiner Katze beizubringen, welche Verhalten du dir von ihr wünscht (anstelle des Verhaltens, das du mit „Nein“ quittieren würdest“), lohnt sich besonders bei allen Themen, die im Alltag regelmäßig auftreten. So lässt sich eine Menge Stress und schlechte Stimmung auf beiden Seiten vermeiden. Deine Leitfrage kann dann sein: „Was soll Miezi denn stattdessen am Besten tun, was ihrem Bedürfnis nahe kommt und für mich angenehm ist?“

Ein solches Alternativverhalten lernen Katzen oft freudig und engagiert, wenn auch nicht immer im Blitztempo, über positive Verstärkung. Das heißt: Sorge dafür, dass das von dir erwünschte Alternativverhalten sich für deine Katze lohnt!

Wenn du mit Training nicht vertraut bist, wende dich mit diesem Anliegen am besten an eine Katzenverhaltensberaterin in deiner Umgebung, mit der du ein schönes individuelles Vorgehen für dein individuelles Anliegen mit deiner einzigartigen Katze besprechen kannst.

Viel Spaß und viel Erfolg auf dem Weg zu einem neuen Kommunikationslevel mit deiner Katze!

by Christine Hauschild