Haltung

Die Wohn-Transportbox

Für die weitaus meisten Katzenbesitzer beginnt ein Tierarztbesuch immer noch mit einem Drama: Der Kampf mit dem Einsteigen in die Transportbox.

Dabei könnte es so einfach sein, wenn man die Lage aus der Sicht der Katze betrachtet und einige wenige Dinge verändert.

Es beginnt schon mit der Transportbox an sich. Die typische Katzenbox ist aus Kunststoff und wird tatsächlich nur einmal im Jahr – oder seltener – hervorgekramt, um die Katzen damit zu transportieren.

Katzen lieben aber ihren gewohnten, vertrauten Ablauf im Alltag und Änderungen der Tagesordnung finden nur wenige spannend, die meisten Katzen wenn schon nicht ängstigend so doch unangenehm.
Die plötzlich auftauchende Box ist also ein böses Omen für einen neuen Tagesordnungspunkt – und das allein kann schon zu Misstrauen führen.
Dann kommen noch emotionsbeladene, weil ungeübte und oft auch unsichere, Manipulation hinzu und das simple Einsteigen in die Box wird zum Drama. Weder überraschende Übergriffen beim Schlafen auf dem Sofa noch Ungeduld, weil die Zeit bis zum Termin knapp wird, verbessern die Lage.

Die erfahrene Katze weiß auch um ihren Verlust von Kontrolle, wenn sie einmal in der Box sitzt und die ganzen weiteren unangenehmen Reize. Und nein, es geht nicht um eine Injektion! Schon das achtlose Tragen, Anstossen an Ecken, Hin- und Herrutschen in der Box und die Geräuschkulisse im Resonanzraum Plastikbox reichen schon aus, um die Erfahrung unangenehm zu machen.

Überraschend für viele Katzenbesitzer ist dann die Weigerung der Katze, in der Praxis aus dieser ungeliebten Box wieder auszusteigen.

Aus der Sicht der Katze ist das aber nur eine Frage der Prioritäten:

  • das sichere vertraute Umwelt im Schrankkoffer zu verlassen hat wenig Verlockung
  • im unbekannten Umfeld ist die Reisekiste wenigstens noch ein letzter sicherer Hafen, den die Katze wenigstens kennt, wenn schon nicht liebt.

Aus der Transportbox wird die Wohn-Transportbox!

Katzen fühlen sich tatsächlich viel besser, wenn sie auch in einem neuen Umfeld vertraute Strukturen dabei haben. Eine Box, von schon zuhause als Schlafplatz, sicherer Rückzugsort und für Zeiten des Unsichtbarwerdens benützt wird, kann unterwegs zum Mobilheim werden, zum Home away from Home.

Beim Kauf einer Transportbox sollte es eben nicht einfach irgendeine Plastikbox sein, weil die ja eh nur einmal im Jahr und nur für den Transport gebraucht wird!
Eine Box sollte vor allem 99% der Zeit als vorzüglicher Wohnraum, also als Wohnbox zur Verfügung stehen. Und die kann dann bei Bedarf auch für die 1% Transport verwendet werden.

Das Augenmerk sollte damit auf dem Wohn- und Liegekomfort im Alltag liegen: warm, diffuses Licht, geräuscharm und an mehreren Seiten mit einer grossen Öffnung versehen, um bei Bedarf auch eine offeneres Wohnfeeling zu vermitteln.

Textile Boxen sind in dieser Hinsicht sehr gut geeignet, wenn sie ausreichend stabil und sicher für den Transport sind.
Die Grösse reicht aus, wenn die Katze gut mit etwas Anlehnung an die Wand liegen kann und die Box noch unproblematisch getragen werden kann. Der Innenraum grösserer Boxen kann gut mit zusammengerollten Decken verkleinert werden, so dass die Katze stabil sitzt.
Katzen, die ihre Wohn-Transportbox kennen und nützen, haben in aller Regel kein Problem damit einzusteigen.
Für die Jungkatze ist das Startbox-Spiel ohnehin eine der wichtigsten Übungen im Katzen-Kindergarten.

by Sabine Schroll