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DANKE nicht nur zum Welt-Tierärzte-Tag

Wer mich kennt weiß, dass ich öfter über einen besonderen Tierarzt-Typ schimpfe, doch hier geht es um die “Anderen”, denn die Dankbarkeit für diese wunderbaren Menschen überwiegt bei Weitem.

Auch wenn Tiere seit über 40 Jahren in meinem Leben “stattfanden” und ich sie zu lieben meinten, schäme ich mich und bereue die Haltungsbedingungen der ersten 20 Jahre, denn heute weiß ich, dass wir ihnen viel Leid zugefügt haben, und dabei spielt es für mich keine Rolle, ob es unbeabsichtigt war. Und vielleicht ist meine heutige Arbeit auch nur mein Versuch der Wiedergutmachung … 

Vor 35 Jahren machte ich meine erste persönliche Erfahrung mit einem Tierarzt, die mich in vielerlei Hinsicht prägen sollte. 

Zu dieser Zeit hatten wir gerade zwei kleine Rotwangenschildkröten, die ich angeschleppt hatte, weil damals Tiere einfach so auch an Kinder verkauft wurden. Was wusste ich denn als 10-Jährige über die artgerechte Haltung von Tieren in menschlicher Gefangenschaft – oder meine Eltern?
Damals hielt ich offensichtlich Mögen und Wollen wohl für Liebe.
Nun hatte eine der beiden Schildkröten ein “Matschauge” und ich sagte meinen Eltern, dass wir zum Arzt gehen müssten, doch sie sagten “Nein”. Ich stritt mit ihnen (wie so häufig) wenn es um unsere Tiere ging und nahm schließlich all mein Taschengeld, legte die Kleine in eine Box und lief zu dem Tierarzt, an dem ich immer auf dem Weg zur Bücherei vorbeilief und wo ich dann oft lange vor dem Schaufenster stand.

Dieser Tierarzt, dieser erwachsene Mann und seine Tierarzthelferin nahmen mein Sorgenkind und mich mit meinen Sorgen um sie ernst, und das war eine völlig neue Erfahrung für mich. Sie untersuchten vorsichtig die Kleine und ihr Auge und ich bekam eine antibiotische Augensalbe mit, die ich ihr mehrmals täglich geben sollte und sie zeigten mir auch wie. Er fragte mich wie viel Geld ich mitgebracht hätte. Ich holte es stolz hervor und zeigte es ihm, da sagte er, dass er nur diese Münzen brauche – es waren 7,50 DM. Ich weiß heute, dass er mir höchstens die Augensalbe berechnet haben muss, doch damals wusste ich das nicht, und so war ich froh und stolz, dass ich auch ohne meine Eltern für mein Schildkrötenkind gesorgt hatte. 

Mein Sorgenkind wurde wieder gesund, doch ich suchte beiden bald darauf ein neues Zuhause mit fürsorglicheren Erwachsenen.  

Als ich 16 war kam Mimmi aus dem Tierheim in mein Leben und ich begegnete Dr. Sörensen und einigen Kollegen, die damals neben dem Berliner Tierheim in Lankwitz eine kleine Praxis führten und mit ihrer Arbeit auch Tierschutz “betrieben”. Sie waren die Engel ohne Flügel und stattdessen mit einem Skalpell.

1998 ging ich als Studentin mit meinem Kaninchenmädchen Emily wegen einem zugekniffenen Auge zum Tierarzt meiner Kindheit. Und wieder wurde mein Sorgenkind liebevoll untersucht und ich bekam eine kortisonhaltige Augensalbe mit, doch das war überhaupt nicht gut für sie. Ihr ging es mit ihrem Auge viel schlechter, so dass ich dringend zu einem Tierarzt im Notdienst musste und so führte mich das Leben zu Dr. Ewringmann (DER Kaninchenspezialistin), die in der Praxis Sörensen arbeitete. Emily war mein erstes “eigenes Fellkind”, denn in meiner kleinen Studentenwohnung waren wir zu zweit die Familie, sie war von mir allein abhängig, d. h. ich war ganz allein für sie verantwortlich …
Von Dr. Ewringmann lernte ich durch Beobachtung und Fragen über die vielen artspezifischen Bedürfnisse und Besonderheiten von Kaninchen und ich begann mich mehr darüber zu informieren und zu lernen. 6 Monate später kam der Kaninchenjunge Eddie hinzu und beide hoppelten nach einem Vergesellschaftungskrimi fröhlich durch meine kaninchensichere Wohnung.

Davor, dazwischen und danach habe ich viele TÄ kennenlernen, später auch mit ihnen arbeiten und viel von ihnen lernen dürfen – fachlich wie auch ethisch. Und als Katzenmama, als Tierschützerin und als professionelle Katzenberaterin bin ich unendlich dankbar für diese aber auch alle anderen Tierärzte, die mit Herzblut und ihrem aktuell gehaltenen Fachwissen immer das Wohl der Tiere im Auge haben und so dazu beitragen, dass mehr Mitgefühl und Wissen über die artspezifischen Bedürfnisse der Tiere als unsere Mitgeschöpfe in die Welt getragen wird.
Ihr Respekt und ihre Liebe für Tiere in ihrer Arbeit mit dem Wunsch besser zu werden, und Tieren dadurch effektiver und effizienter helfen zu wollen, treibt in vielen Bereichen die Weiterentwicklung der Möglichkeiten für die Tiergesundheit und das Tierwohl erst voran.

Weil wir Menschen aber meist nur mit unserer eigenen Brille andere, die Welt und das Leben wahrnehmen, sehen wir nicht den hohen Preis, den diese wunderbaren Menschen dafür mitunter bezahlen müssen.

Im aktiven Tierschutz, besonders wenn man direkt mit den schwer verletzten und traumatisierten Tieren arbeitet, “verbrennt” man schnell emotional, wenn man nicht mit den richtigen Strategien der Selbstfürsorge arbeitet. Die eigentlich aufgrund ihrer Empathie und Leidenschaft besonders geeigneten Menschen trifft es dabei am schwersten, so dass sie irgendwann krank werden und entweder aufhören müssen oder mit Zynismus irgendwie weitermachen. 

In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer Compassion Fatigue (Mitgefühlsmüdigkeit) und das steht mehr oder weniger synonym für sekundäre Traumatisierung.

Für jeden mitfühlenden Menschen ist es schrecklich, wenn man hilflos das Leiden eines anderen Lebewesens mit ansehen muss und nichts dagegen tun kann. Und wenn man dann noch in der täglichen Arbeit als Tierarzt mit Tierleid konfrontiert wird, das leicht vermeidbar gewesen wäre oder jetzt beendet werden könnte und man auch weiß, wie und womit und die dafür notwendigen Mittel vorliegen hat, es aber allein daran scheitert, weil der Tierhalter aus ignoranten oder arroganten Gründen die Therapiemaßnahmen nicht umsetzt – und ein Arbeitsalltag jeden Tag über Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte so aussieht – ist das noch viel unerträglicher.

Und so bin ich besonders denen dankbar, die es aushalten und ihre Strategien gefunden haben, um sich ihre Liebe und Leidenschaft zu erhalten – nicht nur heute, sondern an 365 Tagen im Jahr, und doch möchte ich diesen Welt-Tierärzte-Tag nutzen, um euch öffentlich zu sagen “GRAZIE DI CUORE!”.  

Danke Herr Garnek und an die Tierärzte, die mich als Patientenbesitzerin tapfer ertragen, denn ich weiss, dass ich ein P… in the A.. sein kann.

Aber vor allem danke ich auch den Tierärzten mit denen ich gemeinsam arbeite und denen es wichtiger ist der Katze zu helfen als Recht zu haben. Den Tierärzten, von denen ich lernen kann und die zum Wohle der Katzen ebenfalls lernen wollen. 

DANKE!

by Moon-He Roho